08.06.2018 //

Connected Living ConnFerence 2018: Branchenübergreifende Ökosysteme sind wichtigster Erfolgsfaktor der Digitalisierung

Die digitale Transformation und die Vernetzung im Internet of Things (IoT) führen zu enormen Veränderungen in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen. Das vernetzte Leben der Zukunft erfordert ein Denken und Handeln über Branchengrenzen und klassische Geschäftsfelder hinaus. Um die Potenziale und Chancen der Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu nutzen, sind branchenübergreifende Zusammenarbeit und die Bildung von Ökosystemen von großer Bedeutung - darüber waren sich die Teilnehmer der ConnFerence 2018, die am 5. und 6. Juni in Berlin stattfand, einig.

So glaubt Christian Klose, Chief Digital Officer der AOK Nordost: „Digitale Lösungen im Gesundheitswesen können echte Mehrwerte in der Versorgung generieren. Um eine bessere Zusammenarbeit in der Behandlung gewährleisten zu können, ist es jedoch wichtig, dass alle Akteure im Gesundheitsmarkt sinnvoll miteinander vernetzt werden - vom Facharzt und Allgemeinmediziner bis hin zur Apotheke und selbstverständlich dem Versicherten selbst. Wir sollten von vornherein auf maximale Interoperabilität setzen.“

Während es im Gesundheitswesen noch einige Jahre dauern wird, bis sich diese Forderungen landesweit etablieren lassen, ist der Smart Home-Markt schon einen Schritt weiter. Laut einer Deloitte-Studie verwenden heute bereits 16 Prozent der Deutschen mindestens eine Smart Home-Lösung, die ihnen mehr Komfort, Energieeffizienz, Sicherheit und Lebensqualität bieten soll. Den Grund, warum der Smart Home-Markt heute in Deutschland immer noch nicht boomt, sieht Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom, neben Sicherheits- bzw. Datenschutzbedenken auch in der Schwierigkeit bei der Installation der Geräte. „Die Nutzung und Einrichtung von Smart Home-Lösungen ist heute zwar deutlich einfacher als noch vor einigen Jahren, aber es ist noch längst nicht einfach genug“, so Berg. Sprachassistenten seien jedoch ein guter Ansatz, um die Hürden bei Nutzung und Einrichtung zu überwinden. Eine weitere Problematik sieht Aleš Drábek, Chief Digital & Disruption Officer bei Conrad Electronic SE, auch insbesondere darin, dass bislang zusammenhängende Prozesse fehlen. Die Installation eines Heizungsthermostats allein sei keine große Herausforderung. Überfragt seien Nutzer und Installateure oft erst dann, wenn man beispielsweise mehrere Devices miteinander vernetzen und komplexere Use-Cases umsetzen will.

Professor Sahin Albayrak, Vorstandsvorsitzender von Connected Living, ist überzeugt: „Um ein führender Player im Smart Home-Markt zu werden, muss Deutschland vermehrt Lösungen entwickeln, die leicht integrierbar und erweiterbar sind sowie erfahrbare Mehrwerte für den Endnutzer schaffen“. Noch immer versuchen laut Albayrak viele Hersteller, ihre eigenen Standards durchzusetzen. In Zukunft müsse sich dies jedoch ändern und mehr Raum für offene Systeme geschaffen werden.

Auch in der Finanz- und Versicherungswirtschaft hat sich in den letzten Jahren im Hinblick auf die Digitalisierung einiges getan. „Vernetzte Technologien bieten eine große Chance, Risiken und Schadenspotenzial frühzeitig zu erkennen und noch vor dem Einritt einzugreifen“, so Dr. David Stachon, Vorstandsvorsitzender des Direktversicherers CosmosDirekt und Vorstandsmitglied der Generali Deutschland AG. Für ihn sei die Digitalisierung jedoch keine neue Strategie, sondern nur eine Technologie: „Sie verändert nur die Art und Weise, wie wir unser Geschäft machen, nicht das Geschäft selbst“, sagte er. Professor Fred Wagner, Vorstand des Instituts für Versicherungswirtschaft an der Universität Leipzig, hob insbesondere die Bedeutung branchenübergreifender Partnerschaften hervor: „Wie in allen Bereichen, wird die branchenübergreifende Zusammenarbeit auch in der Versicherungswirtschaft künftig eine noch bedeutendere Rolle als bisher spielen. Netzwerke wie Connected Living bieten optimale Rahmenbedingungen für das Partnering und die Entwicklung gemeinsamer Lösungen und Geschäftsmodelle“. Ökosysteme bieten laut Wagner, unter anderem Potenzial für ein besseres Kundenverständnis und eine umfangreiche Risikoanalyse. Auch für die Erschließung neuer Marktzugänge im Bereich Smart Home müssten Versicherer künftig sektorenübergreifend zusammenarbeiten, so Wagner.

Im Rahmen der ConnFerence 2018 wurden auch die Themen Datenschutz und Sicherheit diskutiert. Die Teilnehmer beleuchteten unter anderem, inwiefern sich Innovationen und neue Geschäftsmodelle auf Basis neuer datengetriebener Ansätze im Zuge der kürzlich in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung überhaupt noch realisieren lassen. Laut Dr. Claus D. Ulmer, Senior Vice President Group Privacy und Konzernbeauftragter für den Datenschutz Deutsche Telekom AG, fordere nicht nur die ältere Generation, sondern auch 80% der sogenannten „Digital Natives“, also die heute 25-35-Jährigen, mehr Datenschutz und Sicherheit in Bezug auf das Internet. Dabei sei es vor allem wichtig, „Daten nur für den Zweck zu verwenden, für den sie auch erhoben wurden“. Dr. Dirk Stenkamp, Vorstandsvorsitzender der TÜV NORD AG verglich: „Deutsche Maschinenbauer sind deshalb so erfolgreich, weil sie Wert auf Datenschutz legen und sich klar den Regelungen unterwerfen“. Auch im Bereich der vernetzten Technologien könne man nur durch Standardisierung und die Einhaltung von einheitlichen Regelungen wettbewerbsfähige Lösungen anbieten. Jedoch seien auch auf politischer Ebene sämtliche Datenschutzthemen noch lange nicht durchdrungen. Unternehmen sind laut Stenkamp immer noch gefordert, viel Eigeninitiative zu zeigen. Die Experten waren sich einig: Die Politik sollte mehr in die digitale Agenda investieren, denn Digitalisierung ist unsere Zukunft.

Neben Fachvorträgen, Diskussionsrunden und Workshops zu den Themen Blockchain, Geschäftsmodellentwicklung, Banking und Gesundheit, bot die ConnFerence auch Startups die Gelegenheit, sich zu präsentieren. Acht Teams stellten an zwei Tagen ihre innovativen Produkte und Lösungen unter anderem aus den Bereichen Energie- und Gebäudemanagement, TeleCare, Gesundheitsprävention, digitales Immobilien- und Instandhaltungsmanagement, Data Analytics, und Künstliche Intelligenz vor.

Die Connected Living ConnFerence, das wichtigste Event des Innovationszentrums Connected Living, das mit mehr als 60 Mitgliedern aller Branchen Deutschlands größte Open-Innovation-Plattform für das digital vernetzte Leben und Internet der Dinge ist, wird auch im kommenden Jahr 2019 in ihrer 5. Auflage in Berlin stattfinden.

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