24.04.2018 //

Vernetzte Köpfe - CONNECTED LIVING-Interview mit Barbara Schick, Vorstandsmitglied des Konzerns Versicherungskammer und Martin Fleischer, Vorstand von BavariaDirekt

Der Konzern Versicherungskammer ist der bundesweit größte öffentliche Versicherer und gehört zu den zehn größten Erstversicherern in Deutschland.
In unserem Experteninterview hat Martin Pietzonka von Connected Living mit Barbara Schick, Mitglied des Vorstands Konzern Versicherungskammer und Martin Fleischer, Vorstand des digitalen Versicherers BavariaDirekt, unter anderem über den Einfluss der Digitalisierung und vernetzter Technologien auf die Versicherungswirtschaft, die wichtige Rolle von branchenübergreifenden Partnerschaften zur Entwicklung innovativer kundenorientierter Lösungen sowie über die zentrale Bedeutung von Datenschutz- und Sicherheit im Zeitalter der Digitalisierung gesprochen.

Wie hat sich in Ihren Augen die Versicherungswirtschaft in den letzten Jahren verändert und welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach hierbei die Digitalisierung und die „Digital Natives“ als neue Zielgruppe?

  • Barbara Schick: Im Zeitalter der Digitalisierung erwartet der Kunde einen Service, der weit über klassische Geschäfte wie Online-Bestellungen, -Buchungen und -Abschlüsse hinausgeht. Kunden wollen maßgeschneiderte Angebote von einem Unternehmen, das ihre Bedürfnisse kennt, sie versteht und unterstützt. Darüber hinaus leben wir in einer Zeit in der der Kunde eine Antwort oder den Service immer sofort verlangt. Auch von Versicherern.

Digital Natives sind sicherlich aktuell die Kunden, die als „Lead User“ die Digitalisierung treiben. Aus unserer Sicht ändert sich die Customer Journey für alle Kunden. Die Versicherungswirtschaft und vor allem der Konzern Versicherungskammer nutzen die Chancen der Digitalisierung. Wir sehen diese als Katalysator, durch den sowohl Kunden als auch Unternehmen sehr viel gewinnen können.

Welche Bedeutung messen Sie neuen Technologien wie Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz oder Big Data bei und wie können diese zur Entwicklung neuer Versicherungsangebote genutzt werden?

  • Martin Fleischer: Big Data und Künstliche Intelligenz helfen dabei die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und den Kunden zu verstehen. Für unsere Lösungsansätze in Data Analytics sind wir im letzten Jahr mehrfach international ausgezeichnet worden. Unser Knowhow nutzen wir natürlich in der Produktkonzeption, um besseren Service und bessere Tarife anzubieten. Das gilt auch für das Internet der Dinge. Ich glaube weniger daran, dass Versicherer diese Technik anbieten müssen. Vielmehr sind hier Partnerschaften zielführend, um gemeinsam der Problemlöser für den Kunden zu sein. Die Ideen in unserem konzerneigenen Innovation Lab starten bei der Prävention, um den Schaden erst gar nicht entstehen zu lassen und münden im Fall der Fälle in einer Just-in-Time-Schadenregulierung.

Welche Themen stehen in diesem Zusammenhang aktuell ganz oben auf der Agenda der Versicherungskammer?

  • Barbara Schick: Für uns stehen die Technologien mit dem höchsten Nutzen für den Kunden ganz oben auf der Agenda. Wir wollen Partner unserer Kunden sein und die ganze Wertschöpfungskette abdecken. Natürlich beschäftigen wir uns als Marktführer für Wohngebäudeversicherungen in Bayern und der Pfalz mit Technologien rund um das Thema „Wohnen“. Darüber hinaus setzt der Konzern Versicherungskammer beispielsweise schon etwas länger auf die kognitive Watson-Technologie, die dabei hilft, die Anliegen der Kunden schneller und präziser zu erkennen und zu bearbeiten.

  • Martin Fleischer: Wir greifen Trends im Markt- und Kundenverhalten in der Regel kurzfristig auf. Die Hausratversicherung der BavariaDirekt wurde beispielsweise um Leistungen für Smart Home, Cyberschutz und Shareconomy erweitert. Jeder siebte Deutsche wurde im privaten Umfeld schon einmal Opfer eines Cyberangriffs, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov in unserem Auftrag ergab. Die BavariaDirekt entwickelte und bietet als einer der ersten Versicherer daher den Cyber-Schutz für Privatkunden.

Gerade als Versicherungsunternehmen erhalten und verwalten Sie eine große Menge sensibler Daten. Datenschutz und Datendiebstahl werden jedoch immer wieder im Zuge der Digitalisierung genannt. Wie treten Sie Kritikern gegenüber?

  • Martin Fleischer: Als Versicherer ist die Risikoabsicherung unser Kerngeschäft. Für uns steht die Datensicherheit an erster Stelle und es ist selbstverständlich, dass wir Daten unserer Kunden nur mit deren Einverständnis verwenden. Uns ist bewusst, dass es sich um ein sensibles Thema handelt. Das schon angesprochene Cyberprodukt fokussiert genau dieses Thema. Aus unserer Sicht ist bei einer Privatperson ein gehackter Computer, der nicht mehr funktioniert ärgerlich. Viel schlimmer ist jedoch der Daten- oder Identitätsklau. Auf die Absicherung und Hilfe haben wir uns spezialisiert und bieten mit unserem Darknet-Screening auch eine sehr gute Prävention. Hierfür wurden wir für den Digitalen Leuchtturm nominiert.

Wie schaffen Sie es, im Rahmen Ihrer digitalen Transformationsstrategie die Bedürfnisse der Kunden im Fokus zu behalten?

  • Barbara Schick: Wir stellen den Kunden in den Mittelpunkt. Daher fragen wir den Kunden und setzen bei unseren Innovationen auf die „Customer Experience“. Die Digitalisierung eröffnet uns die Chance, nicht nur Produkte maßzuschneidern, sondern zudem Serviceprozesse zu vereinfachen und eine gestaltende Rolle als Servicedienstleister einzunehmen. Dazu gehört, für Kunden jederzeit und überall erreichbar zu sein, und zwar mit auf den jeweiligen Bedarf zugeschnittenen Lösungen.

Connected Living verfolgt den Ansatz, branchenübergreifende Partnerschaften zu fördern und Silodenken aufzulösen. Sehen Sie diesen Ansatz auch als wichtigenSchritt für die Versicherungswirtschaft?

  • Barbara Schick: Auf jeden Fall, da sich das Kaufverhalten und die Erwartungen der Kunden in den letzten Jahren massiv verändert haben. Unser Ziel ist es, die Wertschöpfungskette „Leben im Haus und Wohnen“ weiter zu entwickeln. Wir möchten für den Kunden mehr als ein Versicherer sein und ihm innovative Lösungen bieten, die seine Bedürfnisse über den klassischen Versicherungsschutz hinaus erfüllen. Dafür setzen wir auf Kooperationen und Partnerschaften, um Kompetenzen zu bündeln und zu ergänzen. Eine Vernetzung wie sie Connected Living bietet, ist aus meiner Sicht der Schlüssel zum Erfolg, um neue Lösungen schnell und kundenorientiert mit hoher Expertise aufzubauen. Jeder Partner bringt dabei seine Kernkompetenz ein - wir die unsere als marktführender Gebäudeversicherer in Bayern und der Pfalz. Am Ende soll der Kunde sich sorgenfrei in seinem Zuhause wohlfühlen.

  • Martin Fleischer: Nach 5 Monaten unserer Mitgliedschaft bei Connected Living erkennen wir bereits den Mehrwehrt, der sich aus der Dynamik und Offenheit bei der Vernetzung ergibt und wir freuen uns auf weitere interessante Gespräche und evtl. daraus resultierende Partnerschaften.

Haben Sie selbst Smart Home-Produkte im Einsatz? Wie würde Ihr Wunsch-Smart-Home-System aussehen?

  • Martin Fleischer: Ich selbst habe vor ein paar Jahren Lösungen zur Vereinfachung unseres Alltags zu Hause eingebaut. Wobei ich durchaus noch Vorbehalte habe, da für mich die Sicherheit meines Netzwerks noch nicht gelöst ist. Daher schaut mein Wunsch-Smart Home unter anderem so aus, dass dieses sich meinem Lebenszyklus anpasst und das Thema Netzwerksicherheit gegen Angriffe von Dritten ein Bestandteil der Lösung ist. Auch ist für mich der Komfort in der Bedienung sehr wichtig. Damit meine ich die Bedienung aller Geräte über eine Steuerung und automatische Software-Updates.

Interview des Geschäftsstellenleiters Martin Pietzonka mit Barbara Schick und Martin Fleischer vom 19. April 2018

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